Die Geschichte von Hajdúböszörmény

Mit mehr als 32.000 Einwohnern ist Hajdúböszörmény eine der wichtigen Städte der Region Nordtiefland. Aufgrund ihres Verwaltungsbereichs ist die fünftgrößte Stadt Ungarns.

Das Wort „Böszörmény“ im Namen der Stadt bedeutet eine bulgarisch-türkische Volksgruppe, die wichtige Handels- und Wirtschaftstätigkeiten in der Arpadenzeit d.h. im früheren Mittelalter führte. Dies kann auch bedeuten, dass die ersten Bewohner der Siedlung die „Böszörmény“ d.h. Ismaeliten waren. Die Vorsilbe „Hajdú“ (Haiduck) bezieht sich auf eine Gruppe von bewaffneten Hirten, die – durch Fürst István Bocskai geführt – „ihr Leben und ihr Blut für den wahren Glaube und die Freiheit“ im 17. Jahrhundert in dem einzigen sieghaften Unabhängigkeitskrieges der ungarischen Geschichte opferten.

Das Stadtgebiet wurde schon in der Urzeit besiedelt, aber die erste schriftliche Erwähnung stammt aus 1248, wo als Nagyböszörmény vorgestellt ist. Das Dorf wurde während der mongolischen Invasion zerstört, wurde aber in den 12-13. Jahrhunderten erneut besiedelt. Hajdúböszörmény ist ein Marktflecken seit 600 Jahren, da König Sigismund in 1410 ihr den Rang eines Marktfleckens spendete, und dieses Privileg die Stadt schon damals aus ihrer Umgebung heraushob. Dann wird es der Familienbesitz der Familie Hunyadi, und ab dem 15. Jahrhundert gehörte zur Familie Báthory. Infolge des Bocskai-Freiheitskampfs hatten 9254 Haiducken

aufgrund des Korponai-Schenkungsbriefs (sog. Großhaiduck-Schenkungsbrief) kollektive Adelsprivilegien und Land erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war Böszörmény nicht unter der Orten der Haiducken enthalten, da war aber die Stadt von Kálló. Die Haiducken waren in Konflikt mit den in der Festung von Kálló gesiedelten kaiserlichen Soldaten für viele Jahre. Daher konnten die durch István Bocskai privilegierten Haiducken – dank dem Urkunde von Gábor Báthory am 13. September 1609 – in die Stadt von Böszörmény umsiedeln. Dies führte zu einer entscheidenden Wende in der Stadt. Die Einwohner der Stadt Böszörmény gelangten in den Besitzt von einer kollektiven Adelsfreiheit, sie mussten aber dafür Soldatendienst tun.

Die Haiducken-Städte haben am Ende des 17. Jahrhunderts den Haiducken-Bezirk gegründet, der als mittlere Verwaltungseinheit galt, und wurde durch ihren Hauptmann geführt.

Die nächste große Wende geschah im Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitskrieg von 1848-1849. Anstelle der Beseitigung der Leibeigenschaft war der Wendepunkt hier die Beseitigung der Privilegien der Haiducken. Der Haiducken-Bezirk wurde abgeschafft, und in 1876 wurde eine neue Verwaltungseinheit, Komitat Hajdú gegründet, und sein Sitz wurde aus Böszörmény nach Debrecen verlegt.

Spaziergang in Hajdúböszörmény

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Die Denkmäler von Hajdúböszörmény sagen viel über die Vergangenheit der Stadt. Eines der wertvollsten Denkmäler ist die verteilte Siedlungsstruktur der Stadt selbst. Das Hauptmerkmal dieser Stadtstruktur ist es, dass der dicht bebaute elliptische Innenstadtkern mit einem breiten Band von Gärten umgeben ist. Der Innenstadtkern wird durch vier Straßen der vier Himmelsrichtungen in vier Teile geteilt. In ihrer Kreuzung steht der heutige Bocskai Platz.

Dieser Hauptplatz, der durch die große Stadtplanung am Ende des 19. Jahrhunderts gebildet wurde, gehört zu den schönsten Plätzen unter den Städten der ungarischen Tiefebene. Es gibt nur wenige Städte auf der ganzen Welt wie Hajdúböszörmény, die in ihrer Struktur so treu und nett die sich aufgeschichteten Entwicklungsspuren von Jahrhunderten tragen.

Wir beginnen, mit dem Rathausgebäude im Bocskai Platz die Stadt kennen zu lernen, das in einem späteklektischen Stil nach dem Plänen von Károly Dobay im Jahr 1907 gebaut wurde, und das die Gestaltungstraditionen der alten Rathausgebäude folgt. Im Wandelgang am Eingang des Rathausgebäudes erinnert eine Marmortafel an die im ersten Weltkrieg gefallenen Leute aus Hajdúböszörmény. Auf der Kassettendecke des Báthory-Saales sind die Namen und die Wappen der Haiducken-Städte angebracht.

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In der Mitte des Parks, das gegenüber dem Rathaus ist, steht eine der evangelischen Kirche der Stadt, die ursprünglich im gotischen Stil gebaut wurde, und wenn sie noch durch eine Befestigungsmauer, und eine Bastei umgeben war, als die Festungskirche der Stadt diente. Zwischen 1880 und 1882 wurde sie in Romantikstil umgebaut. Das monumentale Innere der Kirche ist würdig dem äußeren Erscheinungsbild. Einen imposanten Anblick bietet  die kürzlich restaurierte Orgel (ein Produkt der weltberühmten Firma Angster), die zu dem Stil des Gebäudes passt, und eine der größten Orgel Ungarns außer Budapest ist. In der Kirche, oberhalb der Kanzel befindet sich das Stadtwappen, das früher die Kassettendecke der Vorgängerkirche verzierte.

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Neben dem Gebäude kann man zwei wichtige Statuen sehen. Die Bocskai-Statue, die jetzt das Wahrzeichen der Stadt ist, wurde von Barnabás Holló geschafft, und in im Jahre 1907 eingeweiht. Das Kunstwerk mit zwei Figuren fängt den historischen Moment ein, wenn der große Fürst von Siebenbürgen seinen berühmten Schenkungsbrief dem Haiducken, der alle Haiducken symbolisiert, übergibt. Die obere Kante des Statuenfußgestells ist an allen vier Seiten durch ein Relief der Bocskai-Krone verziert, was einzigartig im Land ist.

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Die andere Statue, die Tanzenden Haiducken, ist ein Kunstwerk von István Kiss. Diese Komposition mit sieben Figuren stellt die tanzenden Haiduck-Soldaten dar; sie symbolisiert die sieben Haiduken-Städte, d.h. Nánás, Szoboszló, Dorog, Böszörmény, Vámospércs, Polgár und Hadház. Der mit einem Reifen umgebene Mühlstein im Vordergrund symbolisiert die Einheit des Haiducken-Bezirks.

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Am Bocskai-Platz finden wir auch das in Romantikstil  gebaute Gymnasium „Bocskai István“,  wo in der Niederlassung des reformierten Kollegiums von Debrecen schon im Jahre 1621 unterrichtet wurde. Dieses Gebäude mit seiner eingeschossigen Fassade, die das Stadtbild auch heute bestimmt, wurde nach den Plänen vom Architekten Imre Vecsey aus Debrecen in 1864 gebaut. Vor dem Gebäude ist das Kunstwerk vom Bildhauer Lajos Győrfi, das Millennium-Denkmal zu sehen.

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Der Platz wurde in 1910 durch die in Eklektikstil gebaute reformierte Mädchen- und Knabenschule vollständig ergänzt. Heute sind die Bocskai István Grundschule und Stadtsportschule sowie die Baltazár Dezső reformierte Grundschule im Gebäude, und eine Gedenktafel zeigt auf der Schulwand, dass sogar der berühmte ungarische Dichter Mihály Csokonai Vitéz im ehemaligen reformierten Pfarrhaus mehrmals Gast war.

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Auf der südlichen Seite des Platzes befindet sich das ehemalige Stammhaus des Haiducken-Bezirks, das das älteste öffentliche Gebäude im Komitat ist. Heute sind hier das Museum von Haiduckenland und das Stadtgericht. Das Gebäude wurde in drei Phasen zwischen 1762 und 1871 erbaut. Wenn wir das Gebäude betreten, kommen wir in den sehr gemütlichen Arkaden, bei der ehemaligen Wageneinfahrt an. Unter dem Gebäude befand sich ein Keller mit vier ehemaligen feudalen Gefängniszellen, wo der berühmte Strauchdieb der Volksballaden, Bandi Angyal eingesperrt war. Diese Arten von Gefängnissen sind sehr selten in der großen ungarischen Tiefebene zu finden, und das war das einzige in Komitat Hajdú-Bihar. Die Institution nahm den Namen „Hajdúsági Múzeum“ im Jahr 1951.

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Bei der Toreinfahrt steht das Kunstwerk von Bildhauer Tamás Fekete auf einer schlanken Säule, als Denkmal der dankbaren Nachwelt für den Fürst von Siebenbürgen Gábor Báthory (1589-1613). Die Dauerausstellung des Museums trägt den Titel „Geschichte und Ethnographie von Haiduckenland“. Im Hof wurde ein Skulpturenpark geschaffen, wo die Personen dargestellt sind deren Lebenswerk und Aktivitäten mit den Haiducken und mit der Stadt Hajdúböszörmény eng verbunden waren. Hier finden wir also die Statuen von Miklós Káplár, Mihály Csokonai Vitéz, István Györffy, Péter Veres, Gábor Sillye, Gábor Bethlen, István Bocskai und Jenő Király. Der spektakuläre Hof des Museums wird jeden Sommer ein musikalischer und kultureller Veranstaltungsort.

Von dem Hauptplatz kann man die Petőfi Sándor Strasse erreichen, wo die Touristen das eingeschossige Petőfi-Haus bewundern können; dieses Haus, das im Jahr 1911 im Jugendstil erbaut wurde, ist eine wichtige Stelle für das öffentliche Leben der Stadt.

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Wenn wir den Ady-Platz erreichen, finden wir da die in 1996 eingeweihte Komposition von Bildhauer Éva Varga, die an die Soldaten des Bocskai (17.) Husaren-Regiments erinnert, das im Unabhängigkeitskrieg von 1848 bis 1849 durch Gábor Sillye Regierungskommissar des Haiducken-Bezirks organisiert wurde.

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Jetzt beginnen wir unseren Spaziergang wieder aus dem Bocskai-Platz, aber jetzt nach Süden. Im Szent István-Platz steht der Wunderhirsch auf einer hochragenden Säule, eine Schöpfung von Tibor Horváth. Dieses Millezentenarium-Denkmal wurde im Jahr 1996 zum 1100. Jubiläum der ungarischen Landnahme aufgestellt.

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Wenn wir unseren Weg auf Árpád-Straße fortsetzen, erreichen wir den Gedenkpark „Losonczy Géza“, wo das Denkmal für die Revolution von 1956 steht. Die Komposition von Imre Varga verkörpert den Sieg von David über Goliath. Es wurde am 50. Jubiläum der ’56 Revolution, am 23. Oktober 2006 eingeweiht.

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Im Park von Kálvin-Plazt ist das I. Weltkrieg-Denkmal von István Gách, das im Jahre 1927 von dem damaligen Gouverneur Miklós Horthy eingeweiht wurde. Die Statuekomposition erinnert an die fast zweitausend Gefallenen der Stadt.

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Im Platz befindet sich auch die andere monumentale reformierte Kirche von Hajdúböszörmény, die am Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des späten Eklektizismus erbaut wurde. Die reformierte Kirche in Kálvin-Platz ist auch hinsichtlich des Stadtbildes wichtig, und es läuft ein aktives religiöses Leben innerhalb ihrer Mauern.

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Vor der Kirche befindet sich die Statuengruppe von László Kosina, mit dem Titel unsere Vorfahren, die im Jahr 2009 am 400. Jubiläum der Ansiedlung der Heiducken in Hajdúböszörmény eingeweiht wurde.

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Wenn wir zum Hauptplatz rückkehren, und entlang seiner Südseite weitergehen, finden wir zwei Gebäude, die eine dominante Rolle im kulturellen Leben der Stadt spielen. Das eine ist die Stadtbibliothek „Kertész László“ und das andere ist das Kulturzentrum und Gemeinschaftshaus „Sillye Gábor“. Im Theatersaal des Kulturzentrums werden Konferenzen, Musikveranstaltungen und Folklore-Shows, bzw. in der Etagengalerie Ausstellungen veranstaltet.

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Hinter dem Gebäude befindet sich das II. Weltkrieg-Denkmal vom Bildhauer Imre Varga, das in 1991 erstellt wurde. Über eine stilisierte Europakarte steht eine Frau mit einem schmerzlichen und traurigen Gesicht, und um sie herum sind die Namen der Opfer des II. Weltkriegs aus Hajdúböszörmény auf Kupfertafeln gelistet.

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In Fortsetzung unseres Spaziergangs erblicken wir sofort die zwei Türme der griechisch-katholischen Kirche. Das Schiff des in 1893 geweihten Gebäudes sank ein und wurde nur teilweise erhalten; die restaurierte Kirche, die man heute sehen kann, wurde im Jahr 1988 erneut geweiht.

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Weiter entlang der Újvárosi-Straße langen wir zur römisch-katholischen Kirche an, die in den 1860er Jahren gebaut wurde, als eine bescheidene eklektische Nachahmung der ehemaligen Dorfbarockkirchen.

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Aus künstlerischer Sicht sind die Marmorstatuen von Antal Martinelli hervorzuheben, darunter die im Jahr 1900 gemachte Marienstatue.

Zu nennen ist das älteste Denkmal unserer Stadt, die Ruine der mittelalterlichen Kirche in Zelemér, d.h. der abgeschnitte Turm von Zelemér. Sie wurde auf einem jungsteinzeitlichen künstlichen Hügel im spätgotischen Stil erbaut und wurde zum ersten Mal im Jahre 1332 erwähnt. Über die Kirchenruine und die umliegenden Gebiete gibt es zahlreiche Sagen.

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Das Bocskai Heilbad bietet neben seinen Thermalbecken  (mit verschiedenen Erlebniselementen z.B. Nackenduschen, Rückenmassage, Sprudelbad usw.) auch den Jugendlichen ein Schwimmerlebnis in seinen Schwimmbädern, bzw. den jüngsten Kinder eine unbeschwerte Entspannung in den Kinderbecken

termál2.Seit Januar 2007 bietet das Innenthermalbad des Heilbades unseren Gästen Entspannung und Heilung auf eine Oberfläche von etwa 1000m2. Zu Ihren körperlichen und geistigen Erneuerung und natürlichen Erfrischung dienen unsere Sauna und Dampfbad. Das bedeckte Thermalbad hat auch ein Heilbecken im Freien.

 

Foto: Horváth Tamás, www.tamashorvath.com

Quelle: Tourinform, Hajdúböszörmény, www.tourinform.hu

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